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Umgestaltung Verkehrsknoten Oslebshauser-/Ritterhuder Heerstraße

Veranlassung der Maßnahme

Das Foto zeigt ein Kreisverkehrsschild

Im Bereich nördlich der Oslebshauser Heerstraße sind mittlerweile erhebliche städtische Infrastrukturmittel (Straßen, Bahnhof, P+R-Anlage) mit dem Ziel geflossen, das Areal um den Oslebshauser Bahnhof zum neuen Zentrum Oslebshausens zu machen. Die Verkehrsführung und das Erscheinungsbild des vorgelagerten Knotenpunktbereiches Oslebshauser-/Ritterhuder Heerstraße entsprechen jedoch nicht den heutigen verkehrlichen und städtebaulichen Ansprüchen eines Kernbereiches mit verstärkter Aufenthaltsfunktion. Die räumliche und verkehrliche Situation bedarf deshalb einer umfassenden Korrektur. Eine sinnvolle Ergänzung muss auch darin liegen, die fußläufige Erreichbarkeit des neuen Zentrums zu verbessern.

Der Beirat Gröpelingen, das Ortsamt West und die Unternehmerinitiative Oslebshausen 2020 haben deshalb im September 2008 gemeinsam die Verkehrs- und Regionalplanung GmbH in Lilienthal beauftragt, eine Machbarkeitsuntersuchung zum Ausbau und zur Neugestaltung des Knotenpunktbereiches Oslebshauser-/Ritterhuder Heerstraße durchzuführen.

Folgende Ziele wurden von den Auftraggebern vorformuliert:

  • Neuaufteilung und Neubemessung des notwendigen Straßenraums für den motorisierten Durchgangsverkehr (Oslebshauser Heerstraße und Ritterhuder Heerstraße)
  • Überquerungsmöglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer, die auch den Ansprüchen älterer Anwohner gerecht werden (z.B. Etappenquerung unter zu Hilfenahme von Mittelinseln, Fahrbahnteilern o.ä.)
  • Städtebauliche Veränderung und Erhöhung der Aufenthaltsqualität.
  • Erhöhung der PKW-Stellplätze vor den Geschäften.
  • Verlegung der Bushaltestellen (evt. auch des Taxenstandplatzes).
  • Verkehrsberuhigung bzw. Reduzierung des Durchgangsverkehrs in der Oslebshauser Landstraße.

Durchgeführte Untersuchung

Grundlagenermittlung
Bestandserfassung der vorhandenen verkehrlichen Anlagen, Regelungen und Verkehrsabläufe

  • Aufnahme der vorhandenen verkehrlichen Situation (Querschnitt, Nebenanlagen, Verkehrsregelungen etc.) für den Knotenpunktbereich.
  • Ermittlung der vorhandenen Verkehrsabläufe einschließlich des Fußgänger- und Radverkehrsaufkommens.
  • Ermittlung der Fahrzeugartenverteilung aus der aktuellen Verkehrszählung.

Prognose des zu erwartenden Verkehrs im Knotenpunktbereich.

  • Prognose
  • Vergleich mit vorliegenden Zählwerten und Planungsvorhaben der Stadt.

Folgerungen

  • Beurteilung der zu erwartenden verkehrlichen Gesamtsituation (Sicherheit, Fußgänger, Radfahrer)
  • Ggf. mögliche bzw. notwendige bauliche Ergänzungen und Regelungen

Ergebnis der Untersuchungen
Die durchgeführten Untersuchungen machen deutlich, dass die räumlichen und verkehrlichen Voraussetzungen die Anlage eines kleinen Kreisverkehrsplatzes möglich machen. Die Auftraggeber beauftragten somit das Planungsbüro mit der Erstellung von Testentwürfen mit Beurteilung der Machbarkeit für zwei Varianten. Beide Varianten fanden eine gute Resonanz bei den Auftraggebern, bemängelt wurde jedoch, dass die Planungen Grundstückserwerb notwendig machen lassen und die Oslebshauser Landstraße weiterhin ungehindert für den Durchgangsverkehr zugänglich ist. Die bauliche Enge im Zufahrtsbereich Oslebshauser Landstraße hat bei der von den Auftraggebern gewünschten Konzeption einer dritten Variante dazu veranlasst, einen dreiarmigen Kreisverkehrsplatz zu erstellen und die Oslebshauser Landstraße komplett abzuhängen. Der Kreisverkehrsplatz wurde so platziert, dass keine Grundstückskäufe notwendig sind. Die dritte Variante findet die volle Zustimmung der Auftraggeber.

Geplante Maßnahme

Geplant ist ein dreiarmiger kleiner Kreisverkehrsplatz mit einem Durchmesser von 31 m, der das Verkehrsaufkommen auch bei steigender Kundenfrequenz (Mediamarkt, Roller, Oslebscity, u.U. durch weitere Discounter- und Fachmärkte-Ansiedlung um und hinter dem Bahnhof) der nächsten Jahre bewältigen kann.

  • Um den städtischen Charakter zu betonen und die Bedeutung von Fußgängern und Radfahrern zu unterstreichen sind deutlich sichtbare Übergänge mit Mittelinseln vorgesehen.
  • Verlegung der Bushaltestellen und Entstehung von Buskaps jeweils stadtein- und auswärts direkt vor dem Kreisverkehrsplatz. Nachfolgenden Fahrzeugen ist es nicht möglich zu überholen. Durch die Buskaps ist der Zeitverlust für Busse als sehr gering einzuschätzen.
  • Entstehung von Parkplätzen vor den Geschäften auf der stadteinwärtigen Seite gegenüber des Friedhofs.
  • Entstehung von Parkplätzen vor den Geschäften auf der stadtauswärtigen Seite und Entstehung einer Schleifenlösung/Umfahrung, um aus Richtung Stadt und Ritterhuder Heerstraße in die Oslebshauser Landstraße zu gelangen.
  • Direkter Zugang von der Oslebshauser Landstraße auf den Kreisverkehr.

Vorteile der Maßnahme

Die Attraktivität des Ortsteils Oslebshausen als selbständiges Kerngebiet wird sich nach Durchführung aller Maßnahmen steigern. Durch die Realisierung des "Beruhigungskonzeptes" der Heerstraße sowie der Ausbau der A27 und der Hafenrandstraße sind Voraussetzungen zu Verkehrsverlagerungen geschaffen worden.

Erhöhung der Verkehrssicherheit

  • Kreisverkehrsplätze können als besonders sichere Anlagen angesehen werden. Gerade die schweren Unfälle mit Personenschäden werden im Vergleich zu Einmündungen und Kreuzungen durch Kreisverkehrsplätze deutlich reduziert. Eine vierarmige Kreuzung ohne Lichtsignalanlage hat 32 Konfliktpunkte, an denen sich die Wege verschiedener Kraftfahrzeugströme überschneiden. Ein Kreisverkehrsplatz hat nur 8 Konfliktpunkte. Kreisverkehrsplätze wirken auch auf den angrenzenden Straßenabschnitten geschwindigkeitsmindernd. Insbesondere werden Schnellfahrer abgebremst. Beim Kreisverkehr sind nur noch Geschwindigkeiten um 30 km/h in der Einfahrt, um 25 km/h auf der Kreisbahn und zwischen 30 und 40 km/h bei der Ausfahrt zu erwarten. Dadurch wird die Zahl und insbesondere die Schwere von Unfällen vermindert.
  • Für Fußgänger und Radfahrer bedeutet die Maßnahme, dass die Übergänge übersichtlich gestaltet sind und durch die Mittelinseln sicherer sind.
  • Das Gebiet um die Oslebshauser Landstraße erfährt eine Verkehrsberuhigung und verliert seine Bedeutung als Abkürzung zur Hafenrandstraße. Damit wird die Sicherheit der Menschen im Quartier, insbesondere um den Markplatz, erhöht.

Erhöhung der städtebaulichen Qualität

  • Durch den Umbau einer Kreuzung oder Einmündung zum Kreisverkehrsplatz wird bei Beachtung der Planungsgrundsätze ein Gewinn an städtebaulicher Qualität erreicht. Durch individuelle Gestaltung kann eine Aufwertung im Erscheinungsbild des Knotenpunktbereichs und seiner Umgebung erfolgen. Die Bindung an ihr Wohnumfeld kann so verbessert werden. Untersuchungen belegen, dass der Umbau von Kreuzungen und Einmündungen zu Kreisverkehrsplätzen von der Bevölkerung im allgemeinen sehr positiv aufgenommen wird. Die insgesamt positive Einstellung der Bevölkerung kann durch eine attraktive Gestaltung und durch anhaltende Pflege der Anlage erhöht werden.
  • Die Umgestaltung des Knotenpunktes schafft abseits des Durchgangsverkehrs attraktive Räume für Fußgänger und Radfahrer. Diese Attraktivitätssteigerung fördert das Verweilen und Begegnen im Straßenraum bzw. auf den Aufenthaltsflächen. Durch entsprechende Anpassung des Dienstleistungsangebotes "um" den aufgewerteten Verkehrsknotenpunkt wird versucht die Grundversorgung zu festigen bzw. zurückzugewinnen. Bei einer positiven Entwicklung wird eine Zunahme des Fußgänger- und Fahrradverkehrs von 10% angenommen.

Erhöhung der Umweltverträglichkeit
Kreisverkehrsplätze versiegeln in der Regel weniger Flächen als gleich leistungsfähige Kreuzungen oder Einmündungen mit gesonderten Abbiegespuren. Untersuchungen zu durchgeführten Umbauten zeigen, dass bis zu 30 % an versiegelter Fläche eingespart werden kann. Erfahrungen zufolge sind Kreisverkehrsplätze insbesondere zu Zeiten schwacher Verkehrsbelastung, z. B. bei Nacht, mit einer geringfügig günstigeren Lärmemission verbunden. Auch der Kraftstoffverbrauch und damit die Schadstoffemissionen können nach ersten Erfahrungen aus dem Ausland gegenüber vergleichbaren Knotenpunktformen geringfügig vermindert werden. Ursache dafür sind, verglichen mit Kreuzungen mit und ohne Lichtsignalanlagen, die geringeren Fahrgeschwindigkeiten, die gleichmäßigere Fahrweise sowie die kürzeren Wartezeiten und die vermiedenen Haltevorgänge.

Förderung der Wirtschaftlichkeit
Erfahrungen zeigen, dass der Umbau zum Kreisverkehrsplatz in etwa die gleichen Kosten erfordert wie die Umgestaltung eines Knotenpunktes mit zusätzlichen Abbiegespuren und Lichtsignalanlage. Ein entscheidender Vorteil für die Kreisverkehrsplätze sind oft eingesparte Investitions- und Betriebskosten für eine Lichtsignalanlage. Für die Verkehrsteilnehmer stellt sich die verbesserte Wirtschaftlichkeit von Kreisverkehrsplätzen in der Einsparung von Wartezeiten, vor allem in den Spitzenverkehrszeiten, dar.

Bremen, den 18.05.2009
Ulrike Pala

Entwurf für einen kleinen Kreisverkehrsplatz

Sehen Sie selbst:
Entwurf für einen kleinen Kreisverkehrsplatz (pdf, 385.9 KB)

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